Wieder auf Bali

Vom schönen Schmerz des Stöckchenmanns.

Morgens, um kurz vor 7 Uhr 30, hört Silke ein Moped knatternd näher kommen. Jeden Morgen um diese Zeit beginnt Silkes Kampf gegen ihren Blutkrebs. Und zwar mit bester Laune und schönem Schmerz. Dafür sorgt einer der Heiler, der Silkes Reise begleitet: Das ist Aiji, der Stöckchenmann. Du willst wissen, wer das ist? Du willst wissen, was er macht? Dann komm mit – und wenn Du „It´s nice?“ hörst, wird es weh tun.

 

Was Silke sagt:

“Guten Morgen aus Bali. Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr bleibt.

Ich bin nun den fünften Tag wieder auf Bali. Und heute möchte ich Euch von dem Stöckchenmann berichten. Was hat es mit dem Stöckchenmann auf sich und wer ist der Stöckchenmann? Also, er hat einen Namen und heißt Aiji. Aiji ist ein sogenannter Physiotherapeut bzw. praktiziert Akupressur und hat dafür zwei selbst geschnitzte kleine Stöckchen. Von denen seht ihr unten noch ein Bild, damit jeder mal eine Vorstellung davon hat. Mit diesen Stöckchen aktiviert er alle Punkte an den Füßen. Jeder Punkt steht für ein anderes Organ, das Immunsystem oder den Stoffwechsel. Und diese aktiviert er, indem er sehr deutlich auf diese Stellen drückt. Das hat zur Folge, dass die Organe richtig laufen, das Blut und die Körperflüssigkeiten richtig fließen. Das merkt man schon – das macht auch manchmal müde und dann muss ich mich mittags mal eine Stunde hinlegen, weil man einfach merkt, dass der Körper richtig arbeitet. Das ist das eine – aber vor allem tut es auch richtig weh. Es gibt Punkte an den Füßen – bei mir war das ganz besonders auch im Magen-Darm-Bereich – die tun immer wieder sehr, sehr weh. Und auch wenn er das Immunsystem aktiviert, tut das sehr weh. Wenn er an den Seiten, an den Knöcheln mit seinen Holzstäben entlang geht, benutzt er dafür oft noch Öl. Das merkt man dann schon sehr, sehr stark…  Klicke auf den kleinen Pfeil, um weiterzulesen      

Als ich von Mai bis Juli hier war, hatte ich insgesamt 68 Stunden bei ihm. Die haben auch dazu geführt, dass ich dann auch abgenommen habe – nicht, weil ich weniger gegessen habe, sondern weil mein Wasser und andere Flüssigkeiten viel besser abtransportiert wurden und alles wieder viel besser im Fluss war. Oben seht ihr ein Foto von Aiji und seinen Stöcken. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass er mittlerweile so sehr in mein Leben gehört und ich so dankbar dafür bin, weil es mir dadurch so viel besser geht. Es ist ein ganz großer Baustein auf diesem Weg zur Heilung für mich und ich bin auch davon überzeugt, dass man das nicht nur in Bali praktizieren sollte. Im Grunde sollte bei jedem, der schwerst erkrankt ist, Akupressur vorgenommen werden – sofern er das auch verträgt – damit die Organe einfach richtig arbeiten. Das ist ganz, ganz wichtig.

So – das war heute erstmal die Geschichte vom Stöckchenmann, der mir echt ans Herz gewachsen ist. Und wegen dem ich jeden Morgen um 7 Uhr 30 dankbar bin, wenn er kommt und sein Motorroller um die Ecke fährt – auch wenn es wehtut. Wir haben sehr viel Spaß und wir lachen auch sehr viel dabei. Und wenn’s mal so richtig wehtut, dann fragt er jedes Mal: “It’s nice?” Und dann muss ich jedes Mal – obwohl es echt wehtut – laut lachen. Das ist also der eine Heiler von mir, der Heiler für die Akupressur, den ich euch heute vorstellen wollte.

Ansonsten hoffe ich, dass es für euch informativ ist, wünsche mir sehr, dass ihr dabei bleibt und freue mich sehr, dass ihr das so annehmt. Vielen Dank für die einzelnen Nachrichten, die ich immer wieder bekomme. Das hilft mir sehr und ich freue mich immer so sehr darüber. Also – alles Liebe nach Deutschland, nach Europa, wo immer ihr mich hört. Ganz liebe Grüße aus Bali. Bis ganz bald.” 

 

 

 

Mit Akupressur gegen unheilbare Leukämie? Wer’s glaubt!

Hier kommentiert Jörg.

 

Die Volkshochschule in Mainz hat kürzlich einen Kurs angeboten: „Akupressur der 4 Jahreszeiten.“ Da geht also Mutti 4 mal 2 Stunden abends hin und hat dann die „Geheimnisse jahrtausendealter chinesischer Heilkunst“ voll drauf. Und zwar bei Rückenschmerzen, Kopfweh und bei Erkältung. Ach komm, bei Leukämie hilft das doch bestimmt auch!

Man macht sich nicht lustig über jemanden, der wie Silke schwer erkrankt ist. Und doch muss man manchmal ein bisschen am Verstand und unserer westlichen Sichtweise kitzeln, um die Dinge richtig einzuordnen. Dazu gibt es Faktisches zu sagen. Und dazu gibt es eine spirituelle Sichtweise. Und dann gibt es noch das, was zuletzt stirbt. Du weißt, was ich meine.

 

Faktisch:

Das, was Aiji tut, hat er acht Jahre lang von einem erfahrenen, chinesischen Spezialisten für Akupressur gelernt. Er versteht sein Können nicht als krebsheilend. Sein Verständnis ist das, auf was sich westliche und östliche Medizin wohl sehr gut einigen können: Der Körper besitzt Selbstheilungskräfte. Es gilt, diese bestmöglich zu aktivieren und zu unterstützen. Leuchtet das so sein?

 

Spirituell:

Wer nicht daran glaubt, wieder gesund werden zu können, darf es auch nicht erwarten. Das ist wie beim Lotto: Wer nicht spielt, hat schon verloren. Klingt hart. Ist aber bei einer Diagnose „unheilbare Leukämie“ etwas, für das es das wunderschöne Wort „Lebenswille“ gibt. Dahinter steht der feste Glaube, etwas schaffen zu können, wo andere schon abwinken. Bali bietet ein spirituelles Umfeld, das diesem Glauben alle Türen öffnet. Nicht, weil man blind an allen Hokuspokus glaubt, sondern weil es ein tief verwurzeltes Vertrauen in die geistige Welt gibt. Das werden wir noch sehr genau erörtern – die Diskussion dazu ist aber dennoch auch schon jetzt gerne eröffnet.

 

Hoffnung:

Ja, die stirbt zuletzt. Ganz bestimmt. Auf jeden Fall stirbt vorher „der bissige Hund“, wie Silke, ihr Mann und ihre Kinder den Blutkrebs nennen. Ist Hoffnung gleich Glaube? Nein, ich glaube nicht. Eher sind es zwei, die sich gegenseitig helfen, wenn der andere mal nicht so gut drauf ist. Und noch einen wichtigen Unterschied gibt es: Glauben muss man selbst. Hoffen kann jeder, der jemanden wie Silke begleitet. Und wenn man es ausspricht, dann bekommt der Glaube jeden Tag die Kraft, aufzustehen und seinem Krebs zuzurufen: „Du gehst und ich bleibe!“

 

Im nächsten Beitrag fahren wir Moped. Bekommen einen neuen Freund und sprechen über ein großes Vorhaben. Habt ihr Wünsche, über was ihr gerne mehr erfahren wollt?